04.12.2023

Balance zwischen Landwirtschaft und Hochschule – Andreas Scheurer

Andreas Scheurer mit Partnerin Anja Maurer

Für Andreas Scheurer war schon immer klar, dass er den Hof von seinen Eltern übernehmen wird. Nach der landwirtschaftlichen Lehre absolvierte er das Studium zum Agraringenieur. Im Jahr 2010 übernahm er schliesslich den Betrieb und stellte ihn auf Bio Knospe um. Gleichzeitig erweiterte er die Betriebszweige mit dem Gemüseanbau. Heute bewirtschaftet Andreas eine Fläche von 18.7 Hektaren. Sein Vater Hansruedi hilft immer noch aktiv im Betrieb mit. Ausserdem ist Andreas mit einem Teilpensum von 60% als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Tierernährung an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen angestellt.

«Die Kombination meiner Tätigkeiten an der HAFL und auf dem Betrieb ist spannend und beide Jobs unterstützen sich gegenseitig. Alles unter einen Hut zu kriegen ist herausfordern aber die Kombination sehr bereichernd», stellt Andreas fest.

Unterstützt wird Andreas von seiner Partnerin Anja, die einen grossen Teil ihrer Freizeit auf dem Bauernhof verbringt. Sie arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion des Kantons Bern. Dort ist auch das Thema Landwirtschaft verankert. Für Anja ist die Kombination zwischen Theorie und Praxis sehr lehrreich.

Kreisläufe schliessen sich

Die Angelpunkte auf dem Biohof Scheurer sind seine 10-12 Mutterkühe. Damit ist es Andreas möglich, seinen Betrieb in einem geschlossenen Kreislauf zu bewirtschaften. So wird in der Fruchtfolge Gras angebaut. Zum einen profitiert der Boden davon und zum anderen gibt es Nahrung für die Kühe. Nebst dem Fleisch produzieren die Kühe auch Mist und Gülle die als Dünger im Acker- und Gemüsebau eingesetzt werden können. «Das Fleisch schmeckt gut und wird nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit produziert. Unsere Mutterkuh-Herde lebt so, wie Kühe leben sollten: Sommerweide und Winterauslauf, ausschliesslich Gras zur Fütterung, kein Kraftfutter, die Kälber werden nicht von den Kühen getrennt und haben dank der Hoftötung kein Schlachthof-Stress für die Tiere», erklärt Andreas.

Nebst den zwei Jahren Kunstwiese besteht die Fruchtfolge aus Weizen, Soja, Dinkel, Karotten und Goldhirse. Andreas Ziel ist es, auf seinen Ackerflächen möglichst viele Lebensmittel für die menschliche Ernährung zu produzieren. Früher wurde auch noch Körnermais als Tierfutter angebaut. Der Mais hat grosse Vorteile, er ist relativ einfach im Anbau, ergibt hohe Erträge und was zunehmend wichtig ist, er kommt mit Trockenheit zurecht. Auf der anderen Seite braucht die Kultur sehr viele Nährstoffe und es ist ein Tierfutter. Heute produziert Andreas Hirse. Er denkt, dass er mit dieser Kultur eine gute Alternative zum Mais gefunden hat.

Weshalb Bio

«Es macht Freude und Spass, für einen Markt zu produzieren, in dem eine bestehende Nachfrage herrscht. Zudem braucht es im biologischen Anbau verschiedene Überlegungen und manchmal sind kreative Lösungen gefragt. Damit die Natur sowie die landwirtschaftlichen Nutzflächen gesund und vor allem für unsere Nachwelt erhalten bleiben, benötigt es Umsetzungen, die alle drei Nachhaltigkeitsdimension miteinbeziehen», erklärt Andreas.

Vermarktungskanäle

Seine Karotten vermarktet Andreas ausschliesslich an die Produzentenorganisation Terraviva ag. Das Getreide wird von der Mühle Rytz weiterverarbeitet und die Hirse an die Biofarm Genossenschaft geliefert. Das Fleisch wird direkt vermarktet. In der Direktvermarktung ist es nicht immer einfach und machbar, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen und das Angebot darauf abzustimmen. Häufig ist die Grösse der Verpackungen bei seinem Fleisch ein Thema. Doch Andreas macht grundsätzlich sehr gute Erfahrungen damit. «Unsere Kundinnen und Kunden schätzen es zu wissen, dass die Tiere gut gehalten werden».

Herausforderungen und Umweltschutz

«Die Herausforderungen in der Landwirtschaft sind vielseitig. Unkraut ist immer eine Herausforderung. Ein weiteres Thema sind zudem Investitionen, verbunden mit den Innovationen. Lohnt es sich, etwas Neues zu entwickeln und wo wird sinnvollerweise investiert?» fragt sich Andreas. Auch die Folgen des Klimawandels und die Anpassungen daran beschäftigen den Landwirten. Andreas macht sich ausserdem Gedanken um die einzigartigen Bodenressourcen im Seeland, welche durch die teils intensive Bewirtschaftung gefährdet sind.  Nutzen und Schutz im grossen Moss müssen in Einklang stehen, damit sowohl der Produzent als auch die Natur davon profitieren und gleichzeitig eine wirtschaftliche, ertragsreiche Produktion gewährleistet ist.

Gemeinsam etwas bewegen

Andreas möchte mit dem Projekt und der Marke PASSION SEELAND bio:logique gemeinsam mit den Produzenten etwas bewegen.
«Es ist wichtig, dass die Konsument:innen durch Aktivitäten wie Events oder auch andere Massnahmen, Hintergrundinformationen und Einblicke in den Anbau und die Herstellung von Bio-Gemüse in der Region Seeland erhalten. Dies fördert die Sensibilisierung für nachhaltiges Bio-Gemüse und die Bindung zur Region Seeland» findet Andreas.

Im Gespräch mit Andreas Scheurer
Andreas Scheurer führt den Biohof Scheurer in Kallnach.

Andreas Scheurer

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