22.10.2024

Bio-Topinambur… ein Nischenprodukt mit viel Charakter – Tschachtli BioGemüsebau, Kerzers

Tschachtli BioGemüse

V.l.n.r.: Christoph Köhli, Martin Tschachtli, Denise Tschachtli, Andreas Tschachtli

Der Betrieb Martin Tschachtli BioGemüsebau und das Wohnhaus von Denise und Martin Tschachtli liegen am Wolfberg 1, leicht erhöht am Dorfrand von Kerzers. Tschachtlis sind seit gut 100 Jahren Landwirte in Kerzers. Der 86-jährige Vater Kurt Tschachtli, die 3. Generation, betrieb vor allem Viehwirtschaft und baute etwas Gemüse an. Er war es auch, der 1991 den Familienhof aus dem alten Dorfkern hier hinaus verlegte, einen Neubau ganz nah bei den Feldern erstellte. Und immer noch tatkräftig anpackt, etwa wenn es darum geht, erntefrische Ware auszuliefern oder das Mittagessen zu kochen.

Martin Tschachtli (56) hat Gemüsegärtner gelernt und übernahm den konventionell bewirtschafteten Betrieb im Jahr 2000 zusammen mit Bruder Andreas. Dieser ist gelernter Automechaniker und ging ein paar Jahre beruflich seine eigenen Wege. Seit 2014 ist er zurück an Bord der 4. Generation Tschachtli. Denise Tschachtli betreut als ausgebildete Kauffrau alle administrativen Aufgaben und geht dazu noch einer anderen Tätigkeit nach. Zwischen 2011 und 2013 hatte sich der Familienbetrieb zu einer Betriebsgemeinschaft mit Bio-Produzenten zusammengeschlossen… das waren fruchtbare Lehrjahre, die zum Entschluss führten, auf Bio umzustellen. Seit 2013 ist Martin Tschachtli Bio-zertifiziert als Knospe-Produzent und seit 2014 als selbständiger Bio-Produzent tätig. Martin führt den Betrieb, Bruder Andreas ist seine rechte Hand und kümmert sich um die Fahrzeuge und Maschinen. Er ist es auch, welcher für die Kulturpflege und fürs Ernten zuständig ist. Schwager Christoph Köhli ist die Stellvertretung für den Verkauf während der Abwesenheit des Betriebsleiters und für die Führung der drei anderen Mitarbeiter zuständig. Der Verkauf läuft zu 95% über Terraviva.

Auf den Feldern arbeiten ein ganzjährig angestellter Arbeiter aus Portugal sowie zwei Saisonarbeiter aus Polen mit. Und die 5. Generation? Während die Tochter Céline (23) im Gesundheitswesen arbeitet, ist Sohn Joël (28) sehr am Gemüsebau interessiert. Er hat eine Lehre als Automechaniker absolviert, ein paar Jahre gearbeitet und rundet sein Wissen und Können nun noch mit einer dreijährigen Lehre als Bio-Gemüsegärtner bei Rathgeb Bio im zürcherischen Unterstammheim ab. Er wird also bereit sein, wenn Martin in ein paar Jahren – offiziell – in den Ruhestand geht.

Bio Fenchel Ernte

Doch noch ist’s nicht soweit

Von den 25 Hektaren landwirtschaftlich nutzbarer Fläche bewirtschaftet die Familie jedes Jahr 18 bis 19 Hektaren. Angebaut werden nach dem bewährten Prinzip der Fruchtfolge – also nie zwei Pflanzen derselben Familie aufeinanderfolgend – insbesondere schwere Produkte wie Kartoffeln, Knollensellerie, Zwiebeln, Karotten, Kürbis, Blumenkohl und Topinambur.

Kartoffeln: Da setzt Martin Tschachtli BioGemüse vor allem auf frühe Sorten, die nach dem Setzen mit Vlies abgedeckt werden um das Wachstum zu fördern und die Kälte abzuhalten. Während dem Wachsen der Kartoffeln bearbeitet das Team die Parzellen noch ca. zwei Mal maschinell, also mit dem Hackstriegel und dem Dammformer mit dem Ziel, das Unkraut bestmöglich zu zerstören. Mit dem Dammformer werden anschliessend die Erdwälle wieder aufgehäufelt. Von dieser «Störaktion» profitieren die Kartoffeln, da jedes Hacken gut 2% des im Boden gebundenen Stickstoffs freisetzt, was der Nutzpflanze zugutekommt.

Karotten: Auf den Tschachtli-Biofeldern gedeihen klassische Rüebli zur Frühernte und ab ca. Mitte Oktober zum Einlagern. Ganz besonders über die saftigen Bio-Herbstrüebli gerät Martin Tschachtli ins Schwärmen.

Zwiebeln: Die ab Ende August des Vorjahres gesäten Winterzwiebeln werden ab April/Mai als frische Bundware verkauft. Was Ende Sommer oder im Herbst geerntet wird, ist über Winter lagerfähig.

Vielfalt auf den Feldern

Für Abwechslung auf den Feldern sorgen Knollensellerie, Kürbis (Muscat und Knirps), aber auch Kohl, Chinakohl und das alte, heute rare Wurzelgemüse Topinambur, alles in Bio-Qualität natürlich. Bio-Topinambur sei ein Nischenprodukt, erklärt Martin Tschachtli, aber im Zuge der Wiederentdeckung alter Sorten könne man schon von einem kleinen Boom sprechen. Nur ganz wenige Gemüsebauern kultivieren dieses Wurzelgemüse. Topinambur wird meist als Ersatz für Kartoffeln bezeichnet, doch schmecken die länglichen Knollen und Knöllchen auch so? «Sie sind geschmacklich etwas nussiger, beinahe süsslich, und von der Konsistenz her leicht faseriger. Sie sind recht aufwändig zu putzen und zum Zubereiten, wohl auch ein Grund, weshalb sie vorübergehend in Vergessenheit gerieten», erläutert Christoph Köhli. Der gelernte Koch weiss natürlich, wie man sie zubereitet. Da gibt es unzählige Möglichkeiten, er selber koche manchmal ein Purrée, mag sie aber auch frittiert als Chips, die er wie Mandelsplitter über den Salat gibt. Und im Gegensatz zu Kartoffeln kann man sie sogar roh geniessen.

 

Topinambur

Bio-Topinambur… ein Nischenprodukt mit viel Charakter

Anfangs Oktober stehen die Topinambur-Pflanzen bis 3,5 Meter hoch, und die leuchtend gelben Blumen strahlen über den kräftigen Strünken. Es ist kein Zufall, dass die Pflanze an Sonnenblumen erinnert, gehört sie botanisch doch zur selben Gattung. Die Knollen sind ab ca. Mitte Oktober zum Ernten bereit, doch der Boden ist momentan viel zu nass, um mit Maschinen befahren zu werden. Ohnehin ist die Ernte ein Kraftakt, insbesondere für die Maschinen. Die Strünke sind hart und dick, sie stehen dicht an dicht und nutzen die Erntemaschine innert kürzester Zeit ab. Auch zeitlich ist die Topinambur-Ernte aufwändig: Während bei der Kartoffelernte mit 3-4 Km/h gefahren werden kann, ist man für die Topinambur mit 0,5 Km/h unterwegs.

Martin und Andreas Tschachtli prüfen von Hand den Zustand der Knollen in den Dämmen. Da scheint alles in Ordnung zu sein, Qualität, Grösse und Mengen sollten stimmen. Ganz anders bei den Zwiebeln, wo die nasse Witterung die Ernte 2024 um rund 85% schrumpfen liess. Und auch die Kürbisse hatten es schwer: Zu viel Wasser, ein zerstörerischer Hagelzug im Juli und dann noch speziell gefrässige Krähen…

Martin Tschachtli

Der grosse Aufwand wird also nicht immer mit grossem Ertrag belohnt. Das ist allgemein so im Freiland-Gemüsebau. Für Martin Tschachtli jedoch ein Grund mehr, bei PASSION SEELAND bio:logique von Beginn an dabei zu sein: «Die Veranstaltungen, welche in Zusammenarbeit mit Murten Tourismus rund um Gemüse- und Bio-Landbau organisiert werden, machen unsere Arbeit für ein breites Publikum sicht- und erlebbar, das ist eine gute Sache.»

Galerie

Im Gespräch mit Denise und Martin Tschachtli

Der Biohof Tschachtli wird von der Familie in der 4. Generation geführt.

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