08.04.2024

Biodynamischer Weinbau mit Passion – Le Petit Château

Die Familie Simonet des Bio-Weinguts Le Petit Château am Mont Vully. V.l.n.r.: Anni, Stéphane, Stéphanie, Valérie, Fabrice, Eric

Ein Familienbetrieb, 25 Demeter-zertifizierte Vully-Weine

«Derrière l’église» (hinter der Kirche) heisst die steil ansteigende Parzelle unmittelbar hinter dem Gebäudekomplex des Weinguts Le Petit Château an der Hauptstrasse in Môtier. Für Vater Eric Simonet liegt sie vor allem auch direkt hinter der Kirche, oder wie er gerne sagt: «im Schutz der Kirche». Stéphane Simonet, als Vollblut-Winzer im Familienbetrieb verantwortlich für den Bio-Rebbau, ist da etwas pragmatischer und lässt im März 2024 dennoch Hagelschutznetze montieren. Er erklärt: «Diese Schutznetze dienen nicht nur gegen Hagel, sie halten auch Vögel wirksam ab. Darüber hinaus ersparen sie die aufwändige Handarbeit des «Einschlaufens der Reben», denn die im Frühjahr stark wüchsigen Triebe werden von den beidseitigen Netzen zum Nach-oben-wachsen gezwungen.»

Insgesamt bewirtschaftet die Familie Simonet im Vully 17 Hektar Rebland. Die meisten ihrer Parzellen ziehen sich in Môtier die Hänge hinauf, sie sind zum Teil mit mehreren Rebsorten bepflanzt und haben unterschiedliche Expositionen, was die Entwicklung der Reben erheblich beeinflusst. Angesichts dieser Kleinräumigkeit setzen die Simonets seit einigen Jahren auf Lagen-Weine. Was heisst das für die Arbeit im Rebberg? Stéphane erklärt:

«Wir wissen, wohin wir mit jeder Traubensorte und jeder Lage wollen. Entsprechend richten wir uns während des ganzen Jahres darauf aus. Wir beobachten die Reben, vor allem während des Wachstums. Die Rebe gibt uns Informationen, auf die wir reagieren können, sei es mit etwas mehr oder weniger Bodenbearbeitung.»

Was heisst Biodynamik im Weinberg?

Seit 2010 wurde hier Schritt für Schritt auf Biodynamik umgestellt, und seit 2016 wird das ganze Weingut Le Petit Château biodynamisch nach Demeter-Richtlinien geführt. Die Zertifizierung erfolgte 2019, und seit 2020 sind auch alle Weine zertifiziert. Welche Herausforderungen bringt eigentlich das strikte Bekenntnis zu Bio im Rebberg mit sich? Stéphane erklärt: «In einem schwierigen Jahr müssen wir als bio-dynamisch arbeitende Winzer mehr Pflanzenschutz-Spritzungen machen als konventionell produzierende Weinbauern. Im extremen Jahr 2021 waren das beispielsweise 16 Spritzungen gegenüber 10 Spritzungen. Denn die zugelassenen Mittel gegen Falschen Mehltau und Echten Mehltau sind auf wenige, in der Natur vorkommende organische Mittel beschränkt, also Kupfer und Schwefel. Wir müssen manchmal zwar öfters eingreifen, tun dies aber mit möglichst geringen Mengen. Mit diesem Vorgehen warnen wir quasi die Rebe: «Achtung, du musst dich jetzt schützen!» Das bedeutet zwar viel Arbeit, ist aber nicht kompliziert.»

Weitaus schwieriger sei das Bekämpfen des Unkrauts im Bio-Rebberg. Unkrautvernichter werden auf dem Land der Simonets nicht eingesetzt. Wenn nötig mähen sie, jedoch so wenig oder so spät wie möglich, zum Schutze der Biodiversität manchmal einfach nur jede zweite Reihe. Stéphane Simonet erklärt: «Wir beobachten den Boden und unterstützen ihn, wo nötig, mit verschiedenen Pflanzenstoffen. Dazu verwenden wir etwa eine stärkende Brennnessel-Brühe, manchmal auch Kamille oder eine bedürfnisgerechte Pflanzenmischung. Bei sehr feuchten Verhältnissen ist beispielsweise Schachtelhalm wertvoll und wirksam, da er viel Silikat enthält. Der Boden geniesst also eine richtige Phytotherapie!»

Sehr wichtig ist der Zeitpunkt jeder Behandlung: Während der Blüte ist der Rebstock sehr empfänglich für Echten und Falschen Mehltau, dann unterstützt Stéphane ihn mit ätherischen Ölen. In diesen Fragen arbeitet er mit einem Phytotherapie-Coach aus dem Waadtland, der grosse Erfahrung mit den Bedürfnissen biodynamisch produzierender Winzer hat.

Weinbau und Wetter-Kapriolen

Früher dienten oft Rosen als Zeigerpflanzen im Rebberg, denn an ihnen zeigt sich Mehltau in der Regel eine Woche früher als auf den Reben. Entsprechend konnte man dann aktiv vorgehen, sprich Pflanzenschutz spritzen.

Heute gibt es eine sehr verlässlich arbeitende Meteo-Station im Nachbardorf Praz, nach der man sich richten kann… theoretisch. Denn die Wetterbedingungen im Vully-Weingebiet sind äusserst kleinräumig, das heisst, Temperaturen und Niederschlag können innerhalb kleiner Zonen komplett unterschiedlich sein. Deshalb ist ein Netz smarter «Koala»-Meteo-Stationen geplant, welchen den ganzen Vully abdeckt, spezifisch auf die Bedürfnisse der Winzer ausgerichtet sein wird und auch von diesen gemeinsam finanziert werden soll. Die daraus gewonnenen Informationen würden speziell den Bio-Winzern dienen, da sie sich mehr mit den Kapriolen der Natur auseinandersetzen müssen als konventionell arbeitende Weinbauern, die gemäss Spritzplan vorgehen können. Ein vergleichbares Netz ist übrigens für die Aprikosenbauern im Wallis bereits im Einsatz. Und die Rosen im Rebberg? «Die bleiben als Schmuck!»

Im Weinkeller des Le Petit Château

Fabrice Simonet ist Ingenieur-Önologe und im Familienbetrieb verantwortlich für die Weinproduktion. Ihn treffen wir dort an, wo er «zuhause» ist, im Weinkeller. Obwohl die Familie Simonet seit 200 Jahren Reben pflegt, hat erst Vater Eric begonnen, selbst Wein zu produzieren und erstellte 1975 den ersten Weinkeller. Heute werden im Le Petit Château 25 Sorten Wein hergestellt. Die ganze Familie ist involviert, die Eltern, die Ehefrauen beider Brüder, dazu zwei Lernende und drei Mitarbeitende. 25 % der Weine gehen bei Simonets direkt über den Ladentisch, 45 % wird von ihnen persönlich an die Gastronomie geliefert, der Rest über ausgewählte Wiederverkäufer vertrieben, etwa die gut etablierten Läden «Bio 26» und «Petit Paradis» in Freiburg.

Drei Wein-Linien: Terroir, Cépage, Assemblage

25 Sorten Wein ist sehr viel für einen Winzerbetrieb von der Grösse des Le Petit Château. Fabrice erzählt: «Wir verfolgen seit einigen Jahren unsere Philosophie der drei Linien: Die «Terroir»-Weine sind einmalige Lagenweine, die eindeutig von einem speziellen Boden erzählen und die nirgendwo anders entstehen können. Die sehe ich als eine Hommage an die Geologie des Vully. Dann die «Cépages», unsere klassischen, reinsortigen Weine und «Assemblages», also Weine aus mehreren Rebsorten. Mit dem «Traminer Orange» produzieren wir zudem auch einen Trend-Wein. Vin Orange bildet jedoch nicht eine Rebsorte oder eine spezielle Lage ab, sondern er ist ein zeitgeistiges «Kunst»-Werk des Önologen. Das liegt nicht so ganz auf meiner Linie. Unser Ziel ist vielmehr, dass die Wein-Geniesser:innen erkennen: «Ah, das schmeckt nach Vully!»

Unser Ziel ist, dass die Wein-Geniesser:innen erkennen: «Ah, das schmeckt nach Vully!»

Der Ausbau erfolgt in Stahltanks, in Holzfässern und in Beton, sogenannten Amphoren oder Beton-Eiern, wie Fabrice sie nennt. Fabrice Simonet erklärt: «Die beiden letzteren haben den Vorteil, dass sie leicht porös sind, der Wein kann atmen. Davon profitieren die Tannine, der Wein wird geschmeidiger und komplexer. Beton wähle ich, wenn ich dem Wein rein gar nichts beifügen will, also auch kein Holzaroma, und eine «Cépage» pur präsentieren möchte. Da könnte man nun stundenlang darüber philosophieren, was richtig ist.» Der herb-fruchtige Duft im Barrique-Keller ist auf jeden Fall wunderbar, da sind sich wohl alle einig.

Was hat sich für den Kelterer geändert, seit Le Petit Château mit all seinen Weinen 100 % Demeter-zertifiziert ist? Fabrice erklärt gerne: «Für den Ausbau dürfen keine Zusatzstoffe verwendet werden, ausser etwas Schwefel. Damit sind wir mit unseren Weinen reiner und näher beim Terroir als etwa vor 20 Jahren, und das entspricht unserer Philosophie. Natürlich ist auch mehr handwerkliches Geschick notwendig, wir müssen den Wein gut beobachten und kontrollieren und beispielsweise seine Gärung im idealen Moment stoppen. Denn Wein ist ja bekanntlich ein Zwischenprodukt zwischen Traube und Essig. Und wir alle lieben das Zwischenprodukt!»

Im Gespräch mit Stéphane und Fabrice Simonet, Le Petit Château

 

Stéphane Simonet

Winzer, auf dem Familienbetrieb verantwortlich für den Bio-Rebbau

Fabrice Simonet

Önologe, zuständig für die Weinproduktion des Le Petit Château

Le Petit Château ist als erstes Weingut Mitglied geworden bei PASSION SEELAND bio:logique. Seither sind mit Cru de l’Hôpital und Javet & Javet zwei weitere renommierte Winzerbetriebe sowie die Association Interprofessionnelle des Vins du Vully dazugekommen. Deren Geschäftsführerin Joanna Rouiller erklärt, was sie verbindet:

«Die Weingüter sind dynamisch und aktiv im Bestreben, Synergien mit Partnern zu schaffen, welche die gleichen Werte und Ziele teilen. In Winzerkreisen setzen sie auf ein gemeinsames und kollaboratives Vorgehen.»

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