24.01.2024

Bunte Gemüse-Vielfalt aus vitaler Erde – Die Betriebsgemeinschaft Bioleguma

Rolf Etter (l.) und Jürg Frey, Betriebsleiter Bioleguma

Bioleguma ist eine Betriebsgemeinschaft in Ried bei Kerzers und Fräschels, zu der sich ursprünglich vier Betriebe im 2002 zusammenschlossen. Der Name ist Programm, denn auf biologische Produktion setzen diese Schweizer Biogemüse-Pioniere schon seit 1987, respektive 1996. Heute bewirtschaftet Bioleguma rund 90 ha Land. Geleitet wird der Betrieb von den zwei passionierten Gründern Jürg Frey und Rolf Etter sowie von Roland Maeder. Ganzjährig arbeiten rund 40 Personen mit, einige seit über 20 Jahren, im Sommer steigt die Zahl der Mitarbeitenden, inklusive Hilfskräfte, auf gut 100 Personen.

Bioleguma ist breit aufgestellt, damit der natürliche Kreislauf betriebsintern langfristig sichergestellt werden kann.

Freiland-Biogemüse-Anbau

Bioleguma produziert 16 verschiedene Gemüsearten und setzt im Freiland ganz bewusst auf eine grosse Vielfalt von Kulturen. Das reduziert das Risiko von Invasionen und Epidemien sowie Krankheiten und Schädlingen. Da sind zum einen Frischgemüsesorten wie Salate, Fenchel, Broccoli, Bohnen, Rhabarber und Lauch, die während der Saison täglich frisch geerntet werden. Zum andern werden Lagergemüse wie Karotten, Randen, Pastinaken, Sellerie, Lagerkabis und Zwiebeln kultiviert und gelagert, um eine möglichst lange Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Der Freilandanbau von Biogemüse ist die Passion von Rolf Etter, gelernter Bauer und Gemüsegärtner mit Meisterprüfung, der tatkräftig von Gian Luca Anker und weiteren Gruppenleitern unterstützt wird. Auf den Feldern ist Rolf Etter im Element und erklärt:

«Hier muss man flexibel sein, aufs Wetter reagieren und mit der Natur agieren. Die grösste Herausforderung ist es, die schwarze Erde nachhaltig fruchtbar zu halten. Das braucht viel Wissen und Fingerspitzengefühl. Um das zu verstehen, muss man die Geschichte des Seelands kennen.»

Das Seeland wurde durch die zwei Juragewässer-Korrektionen (1868 – 1891 und 1962 – 1973) trockengelegt. Das versteppte Land zwischen den Waldflächen reichte zuerst gerade mal für die Beweidung durch ein paar Schafherden. Nach der zweiten Korrektur beauftragten die Gemeinden die Bauern, die Wälder zu roden und das Gelände urbar zu machen. Als Lohn erhielten sie eigenes Land. Um den sauren Boden – die Einheimischen nennen ihn Turbe (vom frz. Tourbe = Torf) fruchtbar zu machen, sprich um den PH-Wert zu erhöhen, wurde Knochenmehl ausgestreut. Unweit des Bioleguma-Betriebs existierte eine Mühle, wo alle Metzger der Region Knochen anlieferten. Ausserdem düngte man die Erde mit reichlich Kalk, welches man als besonders förderlich für Zuckerrüben erachtete. Bis heute macht der dadurch entstandene zu hohe PH-Wert den Gemüseproduzierenden zu schaffen.

Gedeckter Anbau für wärmebedürftige Bio-Gemüsesorten

Unter gedecktem Anbau versteht man das Kultivieren von Gemüse in Gewächshäusern. Die Häuser sind mit Glas oder mit Plastikfolien bedeckt. Das dient dem Schutz vor Witterung und/oder dem Anbau von wärmebedürftigen Gemüsesorten. Eine in den Bio Suisse Richtlinien festgelegte Heizbegrenzung von Ende November bis Anfangs März garantiert eine energieschonende Kulturführung. Somit kann Bioleguma Kulturen mit weniger Anbaurisiko pflanzen oder eine Saisonverlängerung erwirken.

Jürg Frei, Bio-Gemüsegärtner, ist hauptverantwortlich für den gedeckten Anbau der Bioleguma. Beim Thema Boden ist sich das Gründer- und Besitzer-Duo einig: «Unser grösstes Kapital ist die Erde, darum gilt es, ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. Alle unsere Gemüsekulturen wachsen in fruchtbarem Boden. Bodenlose Kulturen, sogenannte «hors sol» (ausserhalb der Erde), sind im biologischen Landbau nicht erlaubt.» Was auf den 6,5 ha gedeiht? Jürg Frei zählt auf: «Im Sommer vor allem verschiedene Tomaten, übrigens auch mein Lieblingsgemüse, im Winter diverse Salate.» A propos Salat aus dem Treibhaus: Kopfsalat war schon am Hof von Louis XIV so beliebt, dass ein geschützter Anbau betrieben wurde.

Heute ist Nüsslisalat der Winterliebling der Schweiz. Ganz besonders auf die Festtage hin füllt er einen Grossteil der Bioleguma-Gewächshäuser in Ried und Fräschels. Ein Jungpflanzenproduzent aus dem nahen Ried liefert 3 bis 4 Wochen alte Setzlinge, welche, je nach Wetter in 6 – 8 Wochen, zu zartem Nüsslisalat heranwachsen. Nach der Ernte wird ein Teil der Fläche mit einer weiteren Generation Nüsslisalat bepflanzt, während nebenan schon erste Gurken dem Frühling entgegenreifen können. Die Pflanzenteile, welche nicht geerntet werden, bleiben übrigens auf der Erde und werden von Heerscharen kleinster Bodenlebewesen zu frischem Humus umgearbeitet. Kein Wunder, hat sich das Erdreich in den Gewächshäusern innerhalb von 20 Jahren schon um gut 15 cm gehoben.

Vom Boden lernt man, mit dem Wetter lernt man umzugehen. Was ist denn die grösste Herausforderung im Bio-Gemüseanbau? Für Jürg Frei ist klar: «Die grösste Herausforderung ist, alles unter einen Hut zu bringen, also einerseits die Vorgaben von BioSuisse, die keine chemischen und synthetischen Dünger- und Pflanzenschutzmittel zulassen, andererseits die Kundenbedürfnisse hinsichtlich Verfügbarkeit, Sortiment und Qualität. Hier wie dort machen wir keine Kompromisse.»

Rolf Etter erklärt das Rezept von Bioleguma:

«Als Bio-Gemüsebauern geben wir Kompost, Mist und Gülle sowie Federmehl aus. Damit fördern wir die aktiven Mikroorganismen im Boden, was diesen resistenter macht. Die Erde ist wie ein Hefeteig, sie will und muss geduldig und achtsam umsorgt werden».

Der Gemüsebauer greift eine Handvoll Erde, dunkel, feucht, schön krümelig. Darunter zeigt sich ein Wurm, einer dieser millionenfach im Bio-Boden wohnhaften und arbeitenden Helfer. Die gesunde Bio-Erde lebt!

Lagergemüse in Bioqualität

Die im Jahr 2022 erstellte Bioleguma-Lagerhalle in Ried bietet Platz für die Lagerung von 2200 Tonnen Lagergemüse. Die Kühlzellen lassen sich einzeln und automatisch auf die gewünschte Temperatur und Luftfeuchtigkeit regulieren. Den Strom dazu liefert die betriebseigene Solaranlage. Die Bedürfnisse sind beim Gemüse je nach Sorte unterschiedlich, beispielsweise hält im Herbst geernteter Knollensellerie bei 0° bis 1°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 90% bis im März oder April des Folgejahres.

Wird die mächtige Schiebetüre kurz geöffnet, ist ein würzig, erdig-frischer Geruch wahrnehmbar. Fast wie eine Vorahnung einer köstlichen Wintersuppe! In den einzelnen Zellen sind die Gemüse in sogenannten Holzpaloxen (Kisten) à 500 – 550 Kilogramm oder à 1000 Kilogramm gestapelt. Holz hat gegenüber Plastik den Vorteil, dass es nicht so leicht bricht und zudem hausintern repariert werden kann. Die Gemüse sind nach Grösse vorsortiert, nicht aber gewaschen, da die Erde einen gewissen Schutz darstellt. Beim Knollensellerie wiegen die kleinen etwa 150 – 350 g und die mittleren 350 – 750 g. Was darüber liegt, kommt zusammen in eine Kiste und wird in der Regel der Industrie zugeführt, welche etwa vorgefertigte Gemüsemischungen oder fertige Salate herstellt. Bioleguma lagert die typischen, einheimischen Wintergemüse wie eben Sellerie, dazu Randen, Kartoffeln, Karotten, Pastinaken, Zwiebeln und auch Lauch. Beim Lauch wird die Verfügbarkeit während der Monate Januar bis März garantiert, auch wenn es draussen schneit und so keine Ernte möglich wäre.

Unter demselben Dach steht auch die Kalibrierungsanlage, wo die schwereren Gemüsesorten vorsortiert werden. Gian-Luca Anker, Gemüsegärtner und stellvertretender Leiter im Freilandanbau, erklärt: «Der Kühlraum ist kein Spital. Wir dürfen nur gesunde Ware einlagern. Und selbstverständlich nie Gemüse zusammen mit Obst, denn dieses gibt das Reifegas Ethylen ab… was einen ganz und gar unerwünschten Effekt hätte.»

La Ferme 1794, der Bio-Hofladen in Murten

Das einstige Bauernhaus am Rand des Stedtli Murten war das Elternhaus von Roland Fasnacht, einem Gesinnungsgenossen der Bioleguma-Gründer Rolf Etter und Jürg Frei. Seit 2016 ist La Ferme 1794 der Hofladen von Bioleguma, wo Milchprodukte wie Käse, aber auch Fleisch, Wein und natürlich Gemüse – immerhin 15% des jährlichen Umsatzes – direkt verkauft werden… alles in Bio-Qualität selbstverständlich.

Nebst dem betreuten Verkaufsraum stehen ein Café und diverse Eventräumlichkeiten zur Verfügung. Letztere bilden für Bioleguma ein erfolgreiches Zusatzangebot, insbesondere wenn es um planbare und zeitlich definierbare Veranstaltungen wie etwa ein Seminar mit Apéro geht. Interessanterweise schätzt insbesondere die Westschweizer Kundschaft, etwa aus dem Vully, aus Neuchâtel oder Freiburg, diesen Treff- und Einkaufspunkt.

Im Gespräch mit Rolf Etter und Jürg Frey, Betriebsleiter Bioleguma

Rolf Etter (l.) und Jürg Frey

Betriebsleiter Bioleguma

Der Betrieb in Kürze: 

  • 60 ha bewirtschaftete Fläche für saisonales Bio-Freilandgemüse
  • 6,5 ha gedeckte Flächen, darunter 4 ha mit modernster Technik ausgestattete Glashäuser für biologisch angebaute Warmkulturen und rund 2,5 ha Folienhäuser für den Anbau von Wintersalaten
  • Diverse Zusammenarbeiten mit Dritten für Lagergemüse
  • 5 ha Getreidefläche, ausschliesslich Winterweizen als Brotgetreide
  • 2000 m2 grosse Betriebshalle mit Photovoltaikanlage auf dem Dach der Betriebshalle in Fräschels für eine Leistung von 100 kWh
  • Neue Lagerhalle in Ried, wo 2200 Tonnen Lagergemüse gekühlt und gelagert werden können und mit einer neuen Solaranlage mit 440KW eine 100% Energieneutralität mit Solarstrom erreicht wird.
  • Einrichtungen zum Enterden, Putzen und Kalibrieren von diversen Lagergemüse
  • Eigene moderne Werkstatt zur Wartung und Reparatur der Fahrzeuge und Maschinen und zum Herstellen von Eigenkonstruktionen
  • 20 ha Öko.- und Grünflächen, davon 8 ha Weideland für die eigenen Kühe
  • Eine Herde von gut 25 Tieren der ProSpecieRara-Rasse Rätisches Grauvieh in Mutterkuhhaltung
  • Kompostierung und Wiederverwertung aller Rüst- und Pflanzenabfälle sowie von Mist und Gülle der eigenen Kuhherde
  • Vertrieb exklusiv über die Produzentenorganisation Terraviva ag in Kerzers und via den eigenen Hofladen «La Ferme 1794» in Murten
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